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01.02.2021

Licht oder kein Licht?

Der Markt bietet mittlerweile eine Unmenge an verschiedenen Waffenlichtern. Kompakte Lampen, richtiggehende Scheinwerfer mit mehr als 1000 Lumen, IR-Lampen, Licht/Laser-Kombinationen – für jeden Anwendungsbereich, aber vor allem für jeden Geschmack ist etwas dabei. Doch ist ein fix montiertes Licht an der Waffe (Pistole) überhaupt sinnvoll, oder nur unnötiger Ballast?

Anwendungsbereich

Lässt man den Coolness-/Habenwill-/Instagramfaktor einmal außen vor, steht wie bei so vielen Entscheidungen erstmal die Analyse des beabsichtigten Einsatzzwecks an. Wir unterscheiden hier zwischen einer proaktiven und einer reaktiven Anwendung.

Reaktiv

Führt man eine Schusswaffe zum Selbstschutz mit sich herum, befindet man sich zwangsläufig immer in der reaktiven Rolle. Eine Bedrohung tritt auf, man reagiert, um sich zu schützen und setzt unter Umständen dazu seine Schusswaffe ein. Für unsere Diskussion ist in diesem Fall relevant, dass sich die Gefahr bereits manifestiert hat und ein Ausleuchten (mit der Waffe) keinen weiteren Erkenntnisgewinn mit sich bringt.

Proaktiv

Im Gegensatz dazu steht der proaktive Anwendungsfall. Als Polizist vor einem Zugriff oder bei der Durchsuchung einer Wohnung nach einer Alarmauslösung. Als Waffenbesitzer, wenn die Alarmanlage schrillt und man befürchtet, dass sich ein Einbrecher im Haus befindet. Alle Szenarien haben gemein, dass die Situation bereits brenzlig, aber noch absolut unklar ist. Ist ein Täter anwesend? Stellt er eine Bedrohung dar, oder gibt er sofort auf? In diesen Fällen ist es wesentlich, soviel wie möglich wahrnehmen zu können. Was hält der Täter in den Händen? Handelt es sich überhaupt um einen Einbrecher, oder nur um den Hund? Licht ist zur eindeutigen Identifizierung essentiell.

Abwägung

Wer regelmäßig und über längere Zeiträume eine Waffe führt, wird schnell merken, dass das Ganze relativ unbequem ist. Egal welchen Holster und welche Trageweise man nutzt, man fängt meist groß an und optimiert seine Ausrüstung mit steigender Erfahrung meist in Richtung kleiner, kompakter und leichter. Für uns bedeutet das, dass wir auf Selbstverteidigungswaffen, die wir jeden Tag führen und somit reaktiv einsetzen, keine Waffenlichter montiert haben. Eine Taschenlampe, die in der Handhabung wesentlich flexibler ist, kommt aber natürlich schon mit. Auf Dienstwaffen, oder Waffen die am Nachtkastl (bzw. im Safe) zur Selbstverteidigung bereitgehalten werden, gehört aber auf jeden Fall ein Waffenlicht. Hier spielen die Faktoren Gewicht und Größe keine entscheidende Rolle – die Vorteile überwiegen klar. Wichtig ist aber, dass auch in diesen Fällen eine zweite (nicht an einer Waffe montierte) Lampe zur Verfügung steht. Uns ist klar, dass auch reaktive Szenarien vorstellbar sind, bei denen ein Waffenlicht einen gewissen Vorteil bringen könnte. Irgendwo muss man jedoch eine (sinnvolle) Trennlinie ziehen und wenn man sich die ein oder andere Instagram- oder YouTube-Persönlichkeit ansieht, kann man nur schwer glauben, dass derjenige wirklich sein komplettes „EDC-Loadout“ mit drei Messern, zwei Waffen, 200 Schuss Munition und IFAK jeden Tag mit sich herumschleppt.

Ein Aufbaumodul „Einsatz von Lichtmitteln“ steht bereits in den Startlöchern. Je nachdem wie sich das kommende Jahr entwickelt, werden wir entweder heuer noch oder 2022 damit starten.




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